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Mysteriöser Namensvetter
Bei der letzten Überprüfung der Indizierung von sciencegarden in Google haben wir einen starken Konkurrenten im Kampf um die Top-Platzierungen gefunden:
Messdaten der Wetterstation “Science Garden” auf den Philippinen oder genauer:
geog. Länge: 121.02°
geog. Breite: 14.63°
Höhe (NN): 46 m
Diese Koordinaten verweisen auf einen Ort mitten in der Hauptsstadt Manila. GoogleMaps zeigt eine kleine Hütte im Stadtgebiet – leider nicht in der maximalen Auflösung.
Warum nun die Bezeichnung “Science Garden”? Hat da jemand an uns gedacht? Eher unwahrscheinlich… 😉
Vielleicht hat jemand unter den Lesern ein genaueres Foto von der Station? Oder kennt jemanden, der jemanden kennt, der schon einmal vor Ort war und das Geheimnis lüften kann? Ganz zufällig????
Bewegt sie sich doch?
Damit hebelt sich die EU, deren erklärte Strategie es ist, durch direkte (Subventionen) und indirekte (Abbau von Handelsbarrieren) wirtschaftliche Vorteile einen Anreiz zur Demokratiesierung und Rechtsstaatlichkeit zu liefern, selbst aus. “Wie ein Schüler, dem man sagt, er habe die Prüfung bestanden, bevor er sie abgelegt hat”, schreibt die österreichische Zeitung “Der Standard”.
Kühle Analytiker hatten bereits bei der ersten Osterweiterung ein unbestimmtes Bauchgrimmen, das sich in der zweiten Runde angesichts Rumäniens und Bulgariens verschlimmerte. Und endlich zieht auch die EU-Kommission Konsequenzen – 500 Millionen Subventionen für Bulgarien bleiben nun im EU-Säckel. Bemerkt der Koloss endlich den Selbstbetrug mit den schön-formulierten Forschrittsberichten? Im Moment gilt jedenfalls: Sie bewegt sich doch.
Bildungsfern
Große Entrüstung ist in der heutigen Ausgabe der FAZ zu finden. Da wird der neue “Rahmenplan Deutsch” des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung als nächster Schritt zum "bildungsfernen Abitur" angeprangert. Die Lehrer sollten demnächst die Bücher für den Deutschunterricht selbst auswählen, da das Ziel nun nicht mehr die Vermittlung eines literarischen Kanons der klassischen Literatur sei, sondern diejenige eines „gesicherten und strukturierten literarischen Basiswissens." Was man sich darunter genau vorstellen kann, bleibt offen. Doch in der Tat zeigt schon allein die beamtensprachliche Zielformulierung, dass vom Bildungsgedanken hier rein gar nichts mehr übrig ist. Allerdings garantiert auch eine erstarrte Auswahl der Klassiker (und darin geht die Kritik der FAZ fehl) Bildung bei weitem nicht. Denn Bildung ist eben nicht das Sammeln von (weder kanonisiertem, noch vom Pauker ausgewähltem) Wissen. Unter Bildung wurde einst vielmehr die Selbst-Bildung als Persönlichkeit durch die "Anregung aller menschlichen Kräfte" (Humboldt) verstanden. Dass etwa Goethes Werke sicherlich zu ganz anderer sprachlicher oder philosopischer Anregung dieser Kräfte vermögen als Konsaliks Groschenromane, wird niemand bestreiten wollen. Doch das sture Durchpauken (das schon längst nicht einmal mehr vor der Universität haltmacht) auch klassischer Inhalte ist zweifelsohne genauso "bildungsfern."
Akademischer Kapitalismus
In einem Radiogespräch mit dem Gründer des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Hellmut Becker, sagte der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno vor über 40 Jahren einmal Folgendes:
„Also ich bin völlig der Ansicht, daß der Wettbewerb ein im Grunde einer humanen Erziehung entgegengesetztes Prinzip ist. Ich glaube im übrigen auch, daß ein Unterricht, der sich in humanen Formen abspielt, keineswegs darauf hinausläuft, den Wettbewerbsinstinkt zu kräftigen.“
Und weiter: „Ich kann mich nicht erinnern, daß in meiner eigenen Entwicklung […] der sogenannte agonale Trieb jene entscheidende Rolle gespielt hat, die ihm zugemutet wird. Das ist im Schulfall eines jener Mythologeme, von denen unser Erziehungssystem nach wie vor voll ist.“
Der Dialog zwischen Becker und Adorno trägt den deftigen Titel "Erziehung zur Entbarbarisierung". Übertragen auf den gegenwärtigen Zustand unserer bolognesierten Elite-Universitäten ist dieses Pathos auch heute noch angebracht. Wir haben die Wahl: zwischen der Barbarei eines ellenbogenbewehrten "akademischen Kapitalismus" (Richard Münch) oder dem Kampf um freie und pluralistische Universitäten, die diesen Namen auch verdienen. "Bologna" ist gescheitert. Machen wir es schleunigst wieder rückgängig!
Zitat des Tages
Forschungsstipendien für den Umweltschutz
In den Auwäldern der Donau, dem „Dschungel Europas“, findet eine einzigartige Tier- und Pflanzenvielfalt ihr letztes Refugium. Doch die naturbelassene Schönheit ist bedroht. Die wenigen zusammenhängende Auwälder werden von der Abholzung bedroht, seltene Tierarten von der Jagd. Pläne zum Ausbau des Flussbettes für die Schifffahrt, die angrenzende Landwirtschaft und die Fischerei machen Europas größter Auwald-Landschaft zusätzlich zu schaffen. Mit einem 440.000 Euro schweren Projekt will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) daher zum Erhalt der Donau-Auwälder in Süd-Ungarn beitragen. Der „Managementplan für den Donau-Drau-Nationalpark“ soll das Bewusstsein der Donau-Anrainer für ihren Lebensraum ändern. Neben diesem und weiteren Projekten fördert die DBU den Umweltschutz in Ungarn auch durch ein Austausch-Stipendienprogramm. Es bietet Hochschulabsolventen die Möglichkeit, sechs bis zwölf Monate an deutschen Universitäten, Forschungsinstituten oder Unternehmen zu einem Umweltschutz-Thema zu arbeiten und zu forschen.
Sommer, Sonne, Stau
Der Sommerurlaub steht vor der Tür und die Karawane macht sich wieder auf den Weg – in diesem Jahr mit erheblichen Mehrkosten für Auto- und Flugbenzin. Endlich!
Da die Mehrheit der Deutschen offensichtlich nur dann zu ökologisch verantwortungsbewusstem Verzicht zu bewegen ist, wenn man ihnen den Geldbeutel fleddert, kann der Ölpreis gar nicht hoch genug sein.
Für alle, die bewusst zu Hause bleiben, sei der rumänischstämmige Aphoristiker und Misanthrop E. M. Cioran als Baggerseelektüre ans Herz gelegt. Zum Beispiel dessen "Aufzeichnungen aus Talamanca", unlängst erschienen im neu gegründeten weissbooks-Verlag des Ex-Suhkamp-Lektors Rainer Weiss.
Neben schwärzesten Selbstbezichtigungen bietet Cioran, der 1995 in Paris verstarb, geschliffene Miniaturen über die spanischen Insulaner, den Zusammenhang von Klima und Psyche und über die Verderbtheit der westlichen Zivilisation. Womit wir wieder beim Thema wären – Kostprobe?:
"Das Auto, das Flugzeug, der Transistor, auf das Erscheinen dieser Trinität können wir das Verschwinden der letzten Spuren des Paradieses datieren. jeder Mensch, der einen Motor auch nur berührt, beweist, daß er ein Verdammter ist."
In diesem Sinn: schönen Urlaub!
Zitat des Tages
"Die Wissenschaft ist eine Kuh
Sie macht: muh
Ich sitze im Hörsaal und höre zu!"
Walter Benjamin (1892-1940)
Das Scheitern von Bologna
Mittlerweile ist auch Staatsminister a.D. Julian Nida-Rümelin zu der Einsicht gelangt, dass der sogenannte Bologna-Prozess in jeglicher Hinsicht ein Fehlschlag ist.
In seinen "Thesen zur Hochschulpolitik in Deutschland" stellt der Münchner Philosophieprofessor fest, dass kein einziges der mit den Beschlüssen von Bologna verfolgten Ziele ereicht wurde. Im Gegenteil hätten u.a. die neue Modularisierung und Verschulung der Studiengänge, die Abschaffung renommierter Studienabschlüsse oder die europaweit ganz unterschiedliche Vergabe von "ECTS-Punkten" zu gesunkener Mobilität, zu weniger internationaler Vernetzung, zu geringerer Konkurrenzfähigkeit, zu gestiegenen Studienabbrecherquoten geführt. So sehr diese Feststellung zu begrüßen ist, fragt sich doch, wie lange unsere Universitäten noch Schaden nehmen müssen, bis endlich der hochschulpolitische Mut zur klaren Umkehr gefunden wird.
Video: Selektive Wahrnehmung
Das der Mensch seine Umwelt selektiv wahrnimmt ist zwar hinlänglich bekannt, aber es ist trotzdem immer wieder erstaunlich, wie stark dieser Effekt sein kann.
Das folgende Video ist im Auftrag der Londoner Stadtverwaltung produziert worden und soll zur Rücksichtnahme auf Fahrradfahrer im Verkehr sensibilisieren.
- Bei Wikipedia: Selektive Wahrnehmung
Verbessert eure Grammatik!

Das Stichwort “Nutzerfreundlichkeit” ist in aller Munde. Warum es also nicht auch auf ein Buch anwenden, das seinen Nutzern schnell und präzise Informationen im schreibenden Arbeitalltag liefern soll? – Das dachten sich wohl auch Forscher der Uni Kassel, und legten gemeinsam mit der Duden-Redaktion ein Projekt zur “Grammatikbenutzungsforschung” auf. Damit soll endlich einmal empirisch geprüft werden, was eine “gute” Grammatik denn aus Nutzersicht ausmacht. Wer mitmachen will bei der ersten deutschen Grammatikverbesserung, kann das auf der Homepage des Projekts tun. Und damit vielleicht gleich zu einer doppelten Grammatik-Verbesserung beitragen: der des Buches und der im praktischen Sprachgebrauch, wenn wir dieses dann alle lieber und öfter konsultieren…
The times they are a-changin'?
"Um an der Universität vorwärtszukommen, also etwa vom Assistant Professor zum Ordninarius befördert zu werden, etc. muß man publizieren. Dieser Publikationszwang liegt hier auf allen wie ein Alpdruck. Die akademischen Zeitschriften sind vollgestopft mit Quatsch, an den der Autor auch nicht glaubt, der aber notwendig ist für Karriere. Keine dieser Zeitschriften zahlt je einen roten Heller; sehr wenige von ihnen werden gelesen. Ein Ausweg ist nur, statt ein Buch zu schreiben, sich ein Buch von anderen schreiben zu lassen und Editor zu werden. […] Auch dies ist kein Schwindel, weil es allgemein üblich ist."
Ein aktuelles Statement zur Lage der Wissenschaft im Jahre 2008? Exakt!
Geschrieben am 15. November 1953 in einem Brief Hannah Arendts an ihren akademischen Lehrer und Freund Karl Jaspers.
Seit über 60 Jahren leiden alle an derselben Malaise – geändert hat sich nichts. Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, dem Publikationszwang zu entrinnen.
Zitat des Tages
"Es ist gut, den Prüfer persönlich zu kennen. Wenn sich nämlich eine, wenn auch nur ganz kurze und oberflächliche, Bekanntschaft aufgebaut hat, werden der Umgang menschlicher und die Regeln der Höflichkeit verbindlicher. Man kann es auch anders, biologistischer ausdrücken: Es entsteht eine Beißhemmung."
Gefunden in einem Standardwerk:
Werner Metzig / Martin Schuster (2006): Prüfungsangst und Lampenfieber. Bewertungssituationen vorbereiten und meistern. 3. Aufl., Springer, Berlin/Heidelberg/New York, S. 131
Mehr zum Thema finden Sie hier.
Hirn am Steuer
Jetzt müsste ich nach links fahren”, denken Sie – und Ihr Auto steuert elegant genau in diese Richtung. Zukunftsmusik? Nicht an der TU Braunschweig. Ein dort entwickeltes Verfahren ermöglicht es, ein Fahrzeug allein mit Hilfe der Hirnströme zu lenken. Einige Konzentration ist dennoch vonnöten: der Fahrer muss seinen Blick auf einen von zwei Bildschirmen mit Schachbrettmuster lenken, die Steuerung reagiert nämlich auf Signale des Sehzentrums. Können Sie sich alles nicht so richtig vorstellen? – Hier gibt’s einen kurzen Film:
Aus Níl mach Tá
Europäischen Demokraten sollte dieser Tage die Schamesröte ins Gesicht steigen: Es war ohnehin schon ein ungeheuerlicher Skandal, die zwei Volksreferenden Frankreichs und der Niederlande von 2005 mit Füßen zu treten und die gescheiterte Verfassung fast identisch, nur unter anderem Titel durch die Parlamente zu peitschen. Nachdem nun die Iren diesem Vertragsmonstrum, von dem fast keiner weiss, was es eigentlich genau ist und was in ihm steht, eine Abfuhr erteilt haben, missachten Europapolitiker- und Bürokraten sowie die überwiegende Mehrheit der Journalisten nun auch noch das irische Referendum: Im Notfall könne man auch ohne Irland. Oder alternativ: Abstimmen, bis das Ergebnis stimmt. Durch solche Machenschaften soll Europa dann "transparenter und demokratischer" werden, heißt es.
Warum hört man eigentlich fast nie etwas von den brisanten Bestandteilen des Vertrags? Von der Entmachtung unserer Parlamente, der Deregulierung bis zum Manchesterkapitalismus, der Verpflichtung der Mitgliedsstaaten zur militärischen Aufrüstung, der Sanktionierung des Angriffskrieges (Pardon: "Friedensmission")?
Die Iren wurden als einziges Volk Europas noch einmal direkt zur Selbstaufgabe ihrer Souveränität gefragt. Selbst in dieser Entscheidung wird ihnen nun von nicht wenigen EU-Dogmatikern die politische Mündigkeit abgesprochen, da das Wahlvieh ja gar nicht so genau gewusst habe, was in dem "Vertrag" steht. Wer hat die Desinformation denn zu verantworten? Wüssten wirklich alle Europäer, was uns mit “Lissabon” droht – das irische "Níl" hätte noch eindeutiger ausfallen müssen.
Dankenswerterweise verrät die EU selbst, was sie unter "Transparenz" versteht. Der Lissabon-Vertrag ist nur nach zehnjährigem Rechtsstudium und unter Zurhilfenahme vorheriger Vertragswerke zu verstehen. Die fast deckungsgleiche und ebenso gescheiterte EU-Verfassung gibt es hier zu lesen.