Archive – Sep 2008
Es lebe die Psychoanalyse!
In der praktischen UTB-Reihe "Profile" ist soeben von Ilka Quindeau ein Bändchen mit dem Titel "Psychoanalyse" erschienen. Seit einigen Jahren schon nimmt das Interesse an Sigmund Freud stetig zu, nicht nur, weil auch heute wieder Neurologen darauf hinweisen, welche Macht das "Unbewusste" hat. Es wird also Zeit sich die Theorie des alten Freud jenseits der Klischees anzuschauen, die in die Alltagssprache Eingang gefunden haben. Die Autorin — Sozialwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin — setzt ihren Schwerpunkt, ganz im Sinne von Freud, nicht auf medizinische Aspekte und psychische Störungen. Der Blick ist breiter angelegt. In Kapiteln wie "Sex und Gender", "Kunst und Ästhetik" und "Kultur und Gesellschaft" wird die Psychoanalyse verständlich vermittelt, behutsam aktualisiert und zugleich kritisiert. Die längeren Zitate aus Freuds Originaltexten machen neugierig und auch dem heutigen Leser klar, warum der Vater der Psychoanalyse auch für den Literaturnobelpreis in Betracht gezogen wurde. Freud war ein herausragender Stilist! Die für die Buchreihe typischen 100 Seiten (9,90 Euro) bieten einen hervorragenden Erstkontakt mit der Psychoanalyse. Ein rundherum gelungener Band, ein besserer Einstieg ist zur Zeit nicht zu haben.
Frauen in die Wissenschaft!
Trotz aller Sonntagsreden, zahlreicher regionaler und überregionaler Fördertöpfe und langsam wachsenden Netzwerken: Frauen in der Wissenschaft haben immer noch Seltenheitswert, besonders auf den heiß umkämpften und prestigeträchtigen Lehrstühlen.
Das zeigen auch die neuesten Statistiken: Je höher die Qualifikationsstufe, desto weniger Frauen. Man(n) bleibt immer noch gerne unter seinesgleichen, besonders in Deutschland, das frauenhochschulpolitisch Schlusslicht ist – neben den Niederlanden.
Für kluge Frauen und Männer, die diesen erbärmlichen Zustand ändern wollen, bietet neuerdings http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/ ein Forum mit Informationen rund um das Thema Frauen(karrieren) in der Wissenschaft.
Karriere oder Sackgasse?
Graswurzelphilosophie

(In der Rue Bouquière in Bordeaux, Sommer 2008)
An der deutschen Universität ein Mauerblümchen, in weiten Teilen der Gesellschaft populär: die Philosophie. Während die einen auf Fachkongressen über das Leib-Seele-Problem in der Aristotelischen Naturphilosophie streiten, lesen andere leicht Verdaulich-Allzuverdauliches vom Schlage des Philo-Bestsellers "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?".
Zwar ist unklar, ob der unerwartete Erfolg des Buches mehr Elke Heidenreichs Lese-Empfehlung geschuldet ist, als seinem nicht gerade inspirierenden Inhalt. Aber die Tendenz zur U-Philosophie (im Gegensatz zur universitären E-Philosophie) ist kaum zu übersehen. Die kommende Buchmesse in Frankfurt wird das nur bestätigen.
Wirklich erfreulich ist hingegen etwas anderes:
Auf der bunten Philosophie-Wiese vor der Alma mater erblüht seit geraumer Zeit in unseren Landen ein zartes, aber ansehnliches Pflänzchen: die Idee der philosophischen Praxis. Erdacht hat sie Gerd B. Achenbach, der in Bergisch Gladbach auch eine Ausbildungsstätte für angehende Praktiker betreibt. In seiner Folge eröffnen immer mehr Absolventen des brotlosen Faches Dependancen der Lebensweisheit von Hamburg bis Zürich und anderswo (siehe Foto).
Sicher, auch unter den Praxisphilosophen mag es ein paar schwarze Schaafe geben, die ihre "Kunden" mit geistloser Instantnahrung vergiften. Doch nicht vermessen ist die Hoffnung, die vielen guten Denkstuben mögen es schaffen, der Gesellschaft – sozusagen von unten und in gemeinsamer Anstrengung mit ihren Klienten – zu vermitteln, warum wir ohne Philosophieren schwerlich leben können und warum es sich lohnt, das Denken zu lernen. Das wäre nicht zuletzt auch der akademischen Philosophie selbst zu wünschen, der die Studierenden mehr und mehr abhanden kommen.
Doppelt schlau?
Wer also schon immer wissen möchte, ob er “doppelt schlau” ist, hat jetzt die einmalige Gelegenheit, es herauszufinden. Aber Achtung: An einigen Orten steigt der Event bereits eine Woche früher 😉