Archive – Mai 2008
Konferenz: "Gebrochene Wissenschaftskulturen"
Sucht man nach Kontinuitäten in der deutschen Universitätsgeschichte, sticht vielleicht zuerst die Misere des akademischen Mittelbaus ins Auge. Der Privatdozent als Panzergrenadier (“kein Mensch, kein Tier…”) der Wissenschaft ist sicherlich eine der universitären Konstanten des 20. Jahrhunderts.
Anderes verlief nicht so bruchlos. Wie sollte es auch? An drei bzw. im Osten unseres Landes vier Systembrüchen mit ihren dramatischen gesellschaftlichen Umwälzungen konnte freilich auch die Universität nicht unbeschadet vorübergehen.
Zur Diskussion über die kontrast- und konfliktreiche deutsche Universitätsgeschichte des 20. Jahrhunderts lädt die Friedrich-Schiller-Universität Jena vom 5. bis 7. Juni im Rahmen der Konferenz “Gebrochene Wissenschaftskulturen. Selbstverständnis und Praxis deutscher Universitäten im 20. Jahrhundert.”
In drei ersten Sektionen sollen die Bedingungen für Forschung und Lehre während des späten Kaiserreiches, des ersten und des zweiten Weltkrieges, der Weimarer Demokratie und des Nationalsozialismus behandelt werden. Außerdem stehen die deutsch-deutschen Universitätsbeziehungen während der deutschen Teilung im Blickpunkt. Eine vierte Sektion und eine abschließende Podiumsdiskussion sollen in international vergleichender, aktueller und rückblickender Perspektive Brücken zur universitären Gegenwart schlagen.
Veranstaltungsort: Fürstengraben 27, Rosensäle der Universität Jena
Zielgruppe: Studierende, Wissenschaftler
Kontakt:
Schrecksenmeisterlich belesen!
Nur eine Buchseite von Walter Moers reicht aus, um zu belegen, dass es sich um einen großartigen Autor handelt. Seine Bücher sind unterhaltsam, lustig, wunderbar illustriert. Aber das sind auch andere. Nur: Wo finden sich auf einer ersten Seite eines Fantasie-Unterhaltungsromans so viele intertextuelle Verweise, dass auch festen Anhängern der E-Literatur die Knie weich werden? Nehmen wir als Beispiel Moers "Schrecksenmeister". Abgesehen vom Motto, welches die Hexen von Macbeth oder auch Goethes Hexen aus Faust in Erinnerung ruft; Hauptfigur und Kapitel heißen "Echo". Eine "Kratze", eine zamonische Variante von Fritz the Cat? Echo, eine Figur aus der antiken Sage, die dazu verdammt ist, die letzten Sätze des Satzes des Geliebten zu wiederholen. Bei Moers wird Echo schon auf Seite eins zum Waisen — alle Waisen der Weltliteratur lassen also grüßen. Der erste Satz lautet: "Stellt Euch den krankesten Ort in ganz Zamonien vor!", der erste Satz aus Rilkes Malte Laurids Brigge lautet: "So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier." Und so geht es, bei Moers und Rilke, weiter: Krankheiten werden geschildert, bei Rilke: "Ich habe gesehen: Hospitäler, Ich habe einen Menschen gesehen, welcher schwankte und umsank." Bei Moers und Rilke werden dann die morbiden Gerüche geschildert, Jod und Tod bei beiden. Dieser Ort heißt bei Moers "Sledwaya", und da fällt einem zumindest zweierlei ein: zum einen "Seldwyla", wo Gottfried Keller seine Geschichten spielen lies. Mit Keller denkt man an dessen Hauptwerk, dem Grünen Heinrich — einer Untergangsautobiographie eines Künstlers! Zum anderen denkt man aber auch an "Suleyken", in dem Siegfried Lenz seine lustigen masurischen Geschichten ansiedelt. Wahrscheinlich fände ein wahrhaft belesener Mensch (Peter von Matt?) noch dreihundert Anspielungen mehr. Auf der ersten Seite. Eines Fantasieromans!
Klimaflüchtlingslager kurz vor Eröffnung
Der Aktionskünstler Hermann Josef Hack wird am Mittwoch, 28. Mai, von 9:00 bis 15:00 Uhr ein Miniatur-Klimaflüchtlingslager vor dem ehemaligen Bundestag, jetzt World Congress Center Bonn, errichten, um damit die Staatschefs und Delegierten der UN-Vertragsstaatenkonferenz zur Artenvielfalt aus aller Welt zu empfangen.
„Schutz der Artenvielfalt verhindert noch mehr Klimaflüchtlinge“, so die Botschaft des Künstlers, „schon jetzt sind Millionen von Menschen heimatlos, weil der am meisten von den reichen Nationen verursachte Klimawandel ihnen ihre Existenz genommen hat. Ihnen, den Ärmsten, bleibt nur noch die Flucht. Mit meiner Arbeit will ich dieses Thema dort sichtbar machen, wo die Ursachen und Hoffnungen für eine Abhilfe liegen.“
Ob die Delegierten sich mit der Frage der Klimaflüchtlinge auseinander setzen werden oder ob dies wie bisher verdrängt und an den Rand verbannt wird, kann dann jeder selbst erkennen. Hack, der bereits seit 1991 in seiner Kunst die sozialen Auswirkungen des globalen Wandels untersucht, hatte bereits im vergangenen Jahr einzelne Städte zu Klimaflüchtlingslagern erklärt, so zum Beispiel die documenta-Stadt Kassel sowie den Reichstag in Berlin. Im Juni erscheint der Climate Refugee Guide Berlin des Künstlers, der erste Klimaflüchtlingsführer für die Bundeshauptstadt. Am 28. Mai wird Hack das World Congress Center Bonn zum Klimaflüchtlingslager erklären.

Video: Wo ist eigentlich das Zentrum des Universums??
Wem die Frage nach der Verortung des Zentrums des Universums bisher schlaflose Nächte bereitet hat, dem kann das folgende Videointerview mit dem amerikanischen Astronomen und Blogger Phil Plait eventuell Linderung verschaffen. Phil erklärt sehr anschaulich (vielleicht ZU anschaulich?!?) wie man sich das mit dem Kern des kosmischen Pudels vorstellen kann. In jedem Fall unterhaltsam.
Zu Bad Astronomy – dem Blog von Phil Plait
Studentenwerke schreiben gemeinsamen Fotowettbewerb aus
„Durchblick“ heißt das Thema des ersten Fotowettbewerbs, der gemeinsam von den Studentenwerken Berlin, Dresden, Halle, Leipzig, Magdeburg und Thüringen ausgetragen wird. Teilnehmen dürfen alle eingeschriebenen Studierenden der Hochschulen, die von den genannten Studentenwerken betreut werden.
Bis zum 10. Juni können Interessierte ihrer Kreativität freien Lauf lassen und entwickelte oder auf Papier gedruckte Aufnahmen zum Wettbewerbsthema einreichen. Mehr als das Stichwort "Durchblick" gibt es jedoch nicht an thematischer Inspiration.
Alle gültigen Einsendungen werden von einer Jury aus Dozenten der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design in Halle und zwei Profi-Fotografen begutachtet und bewertet. Erstplatzierungen werden mit Geld- und Sachpreisen im Wert von mehr als 3000 Euro prämiert.
Weitere Informationen und Wettbewerbsbedingungengibt es unter:
www.fotowettbewerb-studentenwerke.de
Wissenschaft & Massenmedien

Die "Gegenworte – Hefte für den Disput über Wissen" gibt es wieder, sie erscheinen nun im Akademie Verlag. Leider ist das Logo, die fliegende Schildkröte, und die inspirierend freche Hazel Rosenstrauch der neuen Redaktion abhanden gekommen. Am außergewöhnlich guten Design ist wenig verändert, es scheint vielleicht eine Spur biederer.
Der Inhalt ist auch im neuen Heft über "Ansichten von Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit" auf gewohntem Niveau. Der Wissenschaftssoziologe Peter Weingart richtet seinen Blick auf die Öffentlichkeit der Wissenschaft, der FAZ-Reakteur Jürgen Kaube auf die "Sozialwissenschaften im Feuilleton". Junge und ältere Autoren/innen, Wissenschaftler, Bibliotheksleiter und Journalisten bieten anregende, informative Texte. Das Heft ist, wie auch früher, seinen Preis wert.
Hieroglyph und Tintenkiller

Die Medienwissenschaftlerin Sonja Neef, Juniorprofessorin an der Bauhaus Universität Weimar, widmet sich in ihrer Habilitation "Abdruck und Spur" der "Handschrift im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit". Sie trauert der Handschrift keineswegs nach, sondern es kommt ihr "darauf an, das Manuelle im Digitalen zu betrachten: den Fingerabdruck auf dem touch-screen, den Stilus auf dem Schreibpad des Tablet PC; kurz: Handschrift vom Bildschirm aus zu denken." (S. 29). Ihre Beobachtungen sind geschult an Begriffen von Derrida oder Kittler, Vorwissen ist für die Lektüre sicherlich hilfreich. Neefs freier Durchgang durch die Mediengeschichte der Handschrift, von Tierspuren und Hieroglyphen, über Tintenkiller bis zum Bildschirmschoner hält spannende Einblicke bereit. Im letzten Teil des Buches finden sich ergänzend Kapitel zu Anne Franks Tagebuch, zu Graffity und Tätowierung. Diese fügen sich zwar nicht nahtlos ein, sind aber für sich ebenfalls lesenswert. Insgesamt vermittelt das Buch nicht nur medienphilosophisches Wissen, sondern macht auch Lust, den Füllhalter wieder zu Hand zu nehmen.
Sonja Neef (2008): Abdruck und Spur. Handschrift im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. Kadmos Kulturverlag, Berlin.
A capella zwischen Charme und Schamgrenze
Wem die Comedian Harmonists zu spießig und die Prinzen zu oberflächlich sind, sollte diese Jungs probieren. Die vier von Maybebop bringen Klassiker wie "Come on Eileen" und selbst den "Kleinen grünen Kaktus" in so überraschenden Arrangements zu Gehör, dass der Wiedererkennungseffekt nur eine Facette des Hörgenusses ist. Bei den eigenen Stücken reichen die Texte von bedrückend-ehrlich (Du zweite Wahl) bis filigran-überironisch (Seifenspender). Dabei lassen Maybebop ihre Stimmen nicht zum Textaufführungsmittel verkommen, sondern entzünden ein wahres Feuerwerk der Vokalakrobatik von Countertenor bis Bass und von Turntable bis Schlagzeug(!), dass man sich fragt, wozu andere Bands eigentlich Instrumente brauchen. Hörproben und Konzerttermine auf der Homepage der Band.
Freie Fahrt aufs Abstellgleis…?
Nach langen Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien in Berlin ist es nun so weit: Die Deutsche Bahn geht an die Börse, zumindest teilweise.
Der Studienpreisträger und sciencegarden-Autor Tim Engartner hat darüber und über die Sünden der Privatisierer eine erhellende Doktorarbeit geschrieben, die soeben im VS-Verlag erschienen ist: "Die Privatisierung der Deutschen Bahn. Über die Implementierung marktorientierter Verkehrspolitik."
Engartners Arbeit ist ein Plädoyer gegen die neoliberale Wettbewerbslogik im Bereich der öffentlichen Güter – und gehört ins Regal nicht nur von Verkehrspolitikern. Am Beispiel der gescheiterten Bahnprivatisierung in England zeigt Engartner auf, wieso wir dem Börsengang besser eine Absage erteilt hätten.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Deutsche Bahn demnächst nicht aufs Abstellgleis gerät oder – wie unlängst in Neuseeland geschehen – vom Staat wieder zurückgekauft werden muss. Aber das wäre dann wohl nicht das Schlimmste.
sciencegarden-Schreibwettbewerb: Jurierung läuft
Die Ausschreibung zum sciencegarden-Schreibwettbewerb ist beendet. Ab jetzt läuft das Jurierungsverfahren. Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die uns abwechslungsreiche und interessante Beiträge zum Thema “Die Stadt in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft” geschickt haben. Diejenigen unter ihnen, die eine Runde weiter gekommen sind, werden von uns demnächst benachrichtigt. Fürs Finale heißt es dann noch einmal feilen und nachjustieren. Den oder die Sigertext(e) lesen sie ab dem 01. Juni auf der Startseite von sciencegarden.
TeilnehmerInnen, deren Beiträge wegen einer technischen Panne mit der Einreichungsmailadresse nicht rechtzeitig eingetroffen sind, können noch bis zum 10. Mai nachreichen.