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sciencegarden Blog-Archiv

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Moloche kosten mehr

Wer Moloche wie Bogotá oder erst recht Caracas kennt (im Vergleich zu chinesischen oder indischen Metropolen überschaubare Dörfer), weiß die europäische Stadtkultur zu schätzen: Der Bäcker ist um die Ecke, die Universität mit der Tram zu erreichen, abends radelt man zum Kino. Doch nicht alle teilen dieses Ideal. Das Eigenheim auf der grünen Wiese führt auch in unserer Heimat weiterhin dazu, dass im Umland der Städte Neubauten wie Krebsgeschwüre um sich wuchern. Rund 113 Hektar fallen dem Landschaftsverschleiß durch Siedlungs- und Verkehrsflächen täglich zum Opfer – das ist mehr als ein großes Fußballfeld. Bodenversiegelung, Landschaftszerstörung und Zunahme des Verkehrs sind nicht nur für die Umwelt katastrophal. Paradoxerweise schadet es auch denjenigen, die sich vom Ausverkauf ihres Grundbesitzes mehr Geld im Säckel versprechen: den Gemeinden. Falsch gerechnet: Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik belegt anhand verschiedener Fallbeispiele, dass beim Wohnungsbau in Wachstumsregionen am Rande größerer Städte die gesamten Folgekosten für die innere und äußere Erschließung sowie die soziale Infrastruktur höher sein dürften als die zusätzlichen Einnahmen. Die Studie schlägt daher vor: "Kommunen sollten sich auf die Innenentwicklung konzentrieren. Das kann Kosten sparen." Und wir fügen hinzu: Es steigert auch die Lebensqualität!

sciencegarden-Schreibwettbewerb: Die Stadt in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft

Dissertationspreis für Artenschutz

Wie bereits im Jahr 2005, verleiht die UNEP/CMS auch im Jahr 2008 einen Preis für Dissertationen, die sich mit dem Schutz wandernder Tierarten befassen. Der Preis beträgt 10.000 Euro und dient der Förderung der wissenschaftlichen Forschung und des Schutzes wandernder Tierarten gemäß der Abkommensdefinition. Anmeldungsfrist ist der 31. Mai 2008. Die Arbeit soll originell sein und neue Daten bzw. Einsichten über Biologie und Ökologie wandernder Tierarten oder neue Erkenntnisse externer Faktoren erbringen, die das Migrationsverhalten der Tiere beeinflussen. Die Ergebnisse der Forschung sollen für Schutzmaßnahmen der betroffenen Arten anwendbar sein. Zugelassen sind alle seit der letzen Conference of Parts (November 2005) vor einer akkreditierten akademischen Institution erfolgreich abgeschlossenen Dissertationen.

Juristen zu Schlossern!

In der Süddeutschen Zeitung plädiert Ex-Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, derzeit Ordinarius für Politische Theorie und Philosophie an der LMU München, für eine Aufwertung uns Ausweitung der Lehrberufe. In Deutschland fehlten nämlich keine Juristen, Architekten oder Medienwissenschaftler, sondern: Schlosser! Ein origineller Zwischenruf. Immerhin haben sich Deutschlands Bildungspolitiker gemeinsam in den Kopf gesetzt, unsere im europäischen Mittelfeld dümpelnde Akademikerquote zukünftig auf bis zu 50 Prozent hochzuschrauben – mit Hilfe des neuen Bachelor- und Master-Systems. Doch eben das, so Nida-Rümelins düstere Prognose, bewirke à la longue eine Dequalifizierung der höheren Bildungsabschlüsse und – in Kombination mit der krassen Unterfinanzierung der Hochschulen – einen neuen Bildungsnotstand. Aber nicht nur das: Einer "unheiligen Allianz aus Marktwirtschafts-Ideologie und Bildungsfeindschaft" sei darüber hinaus auch die Abwertung der Meister- und Gesellenprüfung geschuldet. Dabei böte gerade das Handwerk solide volkswirtschaftliche und individuelle Alternativen zu Studium und anschließender Prekarität, erst recht, wenn wir die Lehrberufe, wie Nida-Rümelin vorschlägt, mit wissenschaftlichen Bildungsinhalten anreichern und kräftig ausweiten würden. Eine Lanze für den "craftsman" bricht auch der amerikanische Star-Soziologe Richard Sennett, der in Deutschland vor allem durch seine Bücher über die Tyrannei der Intimität und den flexiblen Menschen bekannt ist. Nun hat der Muster-Schüler Hannah Arendts eine apologetische Hymne des Handwerks verfasst, in der er die Vorzüge des Herstellens preist. Unabhängig davon, dass Sennett in seinem jüngsten Druckwerk weit übers Ziel hinausgeschossen ist (und die Einsichten seiner akademischen Lehrerin stellenweise unterbietet), kündigen beide Hochschullehrer, Nida-Rümelin wie Sennett, eine zumindest rhetorische Aufwertung des Handwerks an. Den Hochschulen wird das alles wenig nutzen. Vielleicht sollte man sie konsequenterweise gleich ganz zu Höheren Berufsschulen umbauen. Dann muss man sich in Zukunft als arbeitsloser Philosoph nicht mehr von seinem Schlosser verspotten lassen. Stattdessen streitet man mit ihm über die Platon-Kritik von Aristoteles – und solange er sein Handwerk versteht, soll mir das eigentlich nur recht sein.

sciencegarden startet Schreibwettbewerb für junge Talente!

Seit dem 1. Februar läuft der sciencegarden-Schreibwettbewerb für junge Talente. Die Redaktion ruft junge NachwuchswissenschaftlerInnen und -journalistInnen auf, spannende Reportagen und Berichte zum Thema "Die Stadt in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft" bis Ende April 2008 einzureichen. Neben einer Veröffentlichung auf sciencegarden werden die besten Beiträge mit Buchpreisen ausgezeichnet. Alle Informationen zum Wettbewerb und zu den Teilnahmebedingungen gibt es hier.

sciencegarden im Februar/März

Die neue Ausgabe von https://test.sciencegarden.de ist online!

Wir berichten unter anderem über den studentischen Arbeitsplatz Nr. 1, die Kneipe, und von einer Tagung über Emotion und Wissenschaft. Lesen Sie dazu auch den Mannheimer Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch im Interview. Er meint: “Die Uni muss sexistisch sein.”

Darüber hinaus haben wir zwei Buchbesprechungen im Angebot – zum neu aufgelegten Klassiker “Uni-Angst und Uni-Bluff” von Wolf Wagner und einem PR-Produkt aus dem Hause der INSM.

Unser Hintergrundbeitrag beschäftigt sich ausführlich mit möglichen Quellen und Ansatzpunkten für einen echten muslimisch-christlichen Dialog.

Die Redaktion wünscht anregende Lektüre!

Live aus Lateinamerika

Lateinamerika spielt in den deutschen Nachrichten nicht gerade eine tragende Rolle. Dabei ist der viertgrößte Kontinent mindestens so interessant, dynamisch und konfliktreich wie China oder Indien, die wegen ihres Wachstums im Fokus der Weltaufmerksamkeit stehen. In loser Folge berichtet deshalb unser Redakteur Joachim Jachnow, z.Z. Kolumbien, im Magazin und im sciencegarden-Blog live – natürlich über die Lage der Wissenschaft und der Studierenden, aber auch über politische und gesellschaftliche Hintergründe. Sein erster Beitrag beschäftigt sich mit beunruhigendem Kriegsgerassel aus Caracas.

Kriegsgerassel aus Caracas

Gefangenenlager der FARC Santafé de Bogotá, im Januar. Die Ereignisse der vergangenen Wochen tauchten die Kolumbianer in ein Wechselbad der Gefühle. Die Befreiung der beiden Politikerinnen Clara Rojas und Consuelo González aus langjähriger Geiselhaft der Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) wurde von der kolumbianischen Öffentlichkeit euphorisch aufgenommen. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez, der die Gefangenenbefreiung vermittelt hatte, wurde auch von scharfen Kritikern als “polemisch aber effizient”bezeichnet.

Doch nur einen Tag nach diesem medienwirksamen Erfolg schockierte Chávez die Kolumbianer mit der Erklärung, FARC und ELN (Ejército de Liberación Nacional) seien keine Terroristen, sondern wahrhaftige Armeen. Mit seiner Forderung an die USA und die EU, die beiden Guerrilla-Organisationen von ihren Listen international gesuchter Terroristen zu nehmen und deren einseitigen Anerkennung als kriegsführende Partei, sorgte Chávez international für Empörung. Vor dem venezolanischen Parlament richtete sich der ehemalige Putschist persönlich an die Guerrilleros: “Rechnet mit unserer Hilfe!”

Mittlerweile vergeht fast kein Tag, ohne dass neues Kriegsgerassel aus Caracas laut wird. Der venezolanische Präsident, der bis 2010 weitere dreißig Milliarden US-Dollar in die Aufrüstung des Militärs investieren will, wirft seinem kolumbianischen Amtskollegen Álvaro Uribe vor, als “Mafioso und Handlanger Washingtons” kriegerische Absichten zu verfolgen und kündigte die Militarisierung der venezolanischen Grenze an.

Den Kolumbianern bereitet vor allem große Sorgen, wie sich die Aggressionen aus Caracas auf den internen Konflikt auswirken könnten. Unter diesem Eindruck lud die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Bogotá daher zu einer Podiumsdiskussion, in deren Mittelpunkt der bilaterale Konflikt mit Venezuela und dessen Folgen für den Friedensprozess standen.

Mini-Elefant entdeckt

In unserem Bericht über das Berliner Naturkundemuseum haben wir unlängst den possierlichen Rüsselspringer vorgestellt. Nun haben Forscher der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften in San Francisco in Tansania eine weitere Variante dieser Art entdeckt: Das Rüsselhündchen, das auf den reichlich schrägen lateinischen Namen “Rhynchocyon udzungwensis” hört. Es ist mit dem Elefanten, mit dem es den langen Rüssel gemeinsam hat, stärker verwandt als mit Spitzmäusen.

Videowettbewerb für junge Geoforscher

Als Beitrag zum Internationalen Jahr des Planeten Erde startet das Geo-Portal planeterde.de in Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven (AWI) und dem GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) am 1. Februar den offenen Video-Wettbewerb “Geoforschung unplugged”.

Interessierte aus allen Bereichen der Geoforschung haben bis zum 30. April 2008 Gelegenheit, ihr persönliches Video einzuschicken. Alle Beiträge werden auf planeterde.de nach kurzer Prüfung veröffentlicht. Die zehn besten Filme werden mit einem Buchpreis prämiert.

Weitere Informationen zum Wettbewerb gibt es auf der Homepage von planeterde.de bzw. hier.

Deutschland sucht den Superdoktor

Der Countdown läuft: Am 1. März ist Einsendeschluss für den Deutschen Studienpreis (DSP) der Körber-Stiftung. Der richtet sich in diesem Jahr erstmals ausschließlich an Promovierte aller Fachrichtungen, die im letzten Jahr ihre Dissertation abgeschlossen haben – magna oder summa cum laude vorausgesetzt. Wer die hochkarätige Jury durch seine Arbeit, die Fachgutachten und einen Essay, der die gesellschaftliche Relevanz der eigenen Forschung betont, beeindruckt, hat die Chance auf einen von insgesamt drei ersten Preisen – dotiert mit jeweils 30.000 Euro. Damit ist der Studienpreis, der vor über zehn Jahren als Motivator für kreative, aber noch nicht graduierte Jungforscher begann, der am höchsten dotierte Dissertationspreis in Deutschland. Zu den Teilnahmebedingungen geht es hier.

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