Glossar
Adenoviren
Kleine „Erkältungsviren“ ohne Hülle, die 70-90 Nanometer groß sind und doppelsträngige DNA enthalten. Sie wachsen im Zellkern ihrer Wirtszellen heran und verursachen beim Menschen hauptsächlich Erkrankungen der Luftwege und Augeninfektionen. In der Gentherapie werden diese Viren als unschädliche „Transportmittel“ („Vektoren“) verwendet, um Erbsubstanz in Körperzellen einzuschleusen.
Agonisten
„Förderer“, das heisst Stoffe, die einen Rezeptor anregen (im Gegensatz zu Antagonisten).
Alois Alzheimer und der erste Fall von Alzheimer
Der deutsche Neurologe und Namensgeber der Alzheimer’schen Erkrankung wurde 1864 geboren und starb 1915. Im November 1906 stellte Alois Alzheimer auf der 37. Jahrestagung der Südwestdeutschen Irrenärzte eine „eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ vor, die bei der 51-jährigen Patientin Auguste D. zu geistigem Abbau, Leseschwierigkeiten und Persönlichkeitsverlust geführt hatte.
„Bei der Frau machte sich eine rasch zunehmende Gedächtnisschwäche bemerkbar, sie fand sich in ihrer Wohnung nicht mehr zurecht, schleppte die Gegenstände hin und her, versteckte sie, zuweilen glaubte sie, man wolle sie umbringen und begann laut zu schreien“. Selbst ihren Namen schien Alzheimers Patientin nicht mehr zu kennen: „Wie heißen Sie?“ „Auguste.“ „Familienname?“ „Auguste.“ „Wie heißt Ihr Mann?“ „Ich glaube Auguste“.
Bei der Obduktion des Gehirns der im Alter von 53 Jahren verstorbenen Patientin habe der Nervenarzt schließlich „miliare Herdchen“ über die Hirnrinde vertreut gefunden, die „durch Einlagerung eines eigenartigen Stoffes“ bedingt seien. Damit hatte er den ersten Fall von „Alzheimer“ entdeckt und beschrieben.
Alzheimer-Medikamente
Bestimmte Gehirnregionen, die bei Alzheimer absterben, kommunizieren miteinander mit Hilfe des Botenstoffes Acetylcholin. Zahlreiche Medikamente zielen deshalb darauf ab, den Abbau dieses Botenstoffes zu verlangsamen. Diese so genannten Acetylcholinesterase-Hemmer sind zum Beispiel Donepezil (Aricept®), Galantamin (Reminyl®), Rivastigmin (Exelon®) oder Tacrin (Cognex®). Daneben gibt es aber auch neuere Substanzen, wie zum Beispiel die M1-Rezeptoragonisten Talsaclidin, Xanomelin, Milamelin oder AF102B. Die Gruppe der NMDA-Antagonisten verhindert, dass Nervenzellen überreizt werden. Daneben gibt es Stoffe, die den Calciumhaushalt im Gleichgewicht halten sollen, und nicht zuletzt „Naturprodukte“ wie Gingko biloba.
Aktuelle Empfehlungen finden sich im Internet bei der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Ex vivo-Gentherapie
Bei der Gentherapie kann man zwei verschiedene Verfahren unterscheiden: „Ex vivo“- und „In vivo“-Gentherapie. Bei der Ex vivo-Gentherapie werden zunächst Körperzellen entnommen („ex vivo“ = „aus dem Lebenden“), dann außerhalb des Körpers fremde Gene hinzugefügt, und anschließend werden die Zellen wieder in den Körper eingebracht. Bei der „In vivo“ Gentherapie bringt man dagegen die Gene direkt in Körperzellen ein, zum Beispiel mit Hilfe eines Viruspartikels, der die gewünschten Gene enthält.
Immuntherapie
Im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich schädliche Eiweißklumpen, so genannte Beta-Amyloide Plaques, aus. Bei der so genannten Immuntherapie versucht man, diese Plaques gezielt auszuschalten. Dazu setzt man „Spürhunde“ des Immunsystems – monoklonale Antikörper – gegen die Plaques ein. Die Antikörper heften sich an die Plaques an und machen sie so unschädlich. Forscher am Trinity College in Irland konnten im Mai 2005 vielversprechende Ergebnisse vorstellen, aber eine Anwendung beim Menschen steht noch aus. Bisherige Studien am Menschen im Jahre 2003 hatten zu schwerwiegenden Rückschlägen geführt: 15 der 300 geimpften Patienten entwickelten schwere Hirnhautentzündungen.
Immuntherapie bei Alzheimer: Segen oder Fluch?
Im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich schädliche Eiweißklumpen, sogenannte Beta-Amyloide Plaques, aus. Bei der Immuntherapie versucht man, diese Plaques gezielt auszuschalten. Dazu setzt man „Spürhunde“ des Immunsystems – sogenannte monoklonale Antikörper – gegen die Plaques ein. Die Antikörper heften sich an die Plaques an und machen sie so unschädlich. Forscher am Trinity College in Irland konnten im Mai 2005 vielversprechende Ergebnisse vorstellen, aber eine Anwendung am Menschen steht noch aus. Bisherige Studien am Menschen im Jahre 2003 hatten zu schwerwiegenden Rückschlägen geführt: Fünfzehn der 300 geimpften Patienten entwickelten schwere Hirnhautentzündungen.
Muskarinische Rezeptoren
Nervenzellen im Gehirn kommunizieren miteinander mittels verschiedener Botenstoffe. Die Botenstoffe binden an sogenannte Rezeptoren und lösen dadurch bestimmte Reaktionen in der Zelle aus. Die muskarinischen Rezeptoren gehören zu einer Art „Familie“, denn sie reagieren positiv auf Muskarin. Muskarin ist eine Verbindung, die unter anderem im Fliegenpilz (Amanita muscaria) vorkommt. Der Botenstoff Acetylcholin, der bei Alzheimer so wichtig ist, bindet sich nun genau an diese muskarinischen Rezeptoren – das heisst, er ähnelt dem Muskarin in seiner Wirkung. Je nachdem, was passiert, wenn Acetylcholin an den Rezeptor „angedockt“ hat, unterscheidet man dann weiterhin noch sogenannte Rezeptor-Subtypen. Dies sind zum Beispiel M1, M3 und M5 (diese sind an ein Molekül namens Proteinkinase C gekoppelt), aber auch M2 und M4, die an ein Molekül namens Adenylatzyklase gekoppelt sind.
Placebo
Placebo ist ein lateinischer Begriff, der soviel bedeutet wie „Ich werde gefallen“. In der Medizin versteht man unter einem Placebo ein Medikament, das keinen Wirkstoff enthält. Es sieht genauso aus wie ein herkömmliches Medikament und wird in Studien zu Vergleichszwecken verabreicht. Dadurch kann man herausfinden, ob die Wirkung eines Medikaments „echt“ ist oder nicht, wie die des Placebo.
Transformation
Unter Transformation versteht man das Einbringen freier DNA in eine Wirtszelle. Hierzu macht man zum Beispiel die Zellmembran porös, oder die Zelle sebst durch Zugabe bestimmter Stoffe „aufnahmebereit“.
Zellkulturen
In einer Zellkultur züchtet man eine dünne Schicht von Zellen auf einer Art Nahrungsbrei in gläsernen Kulturfläschchen. Da man Zellen haben möchte, die sich sozusagen unbegrenzt lange kultivieren lassen, verwendet man häufig Tumorzellen, die sich sehr gerne teilen und dadurch einfach zu vermehren sind. Das Neuroblastom beispielsweise ist ein sogenannter embryonaler Tumor des Nervensystems – also eine bösartige Wucherung von Zellen, die sich schon im frühen Kindesalter bildet; Neuroblastom-Zellen eignen sich daher besonders gut für Zellkulturen.