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Warum sollte die Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 ein kausaler Faktor für den Zusammenstoß eines Zuges mit einem sowjetischen Panzer in der DDR sein können?
 

Das Beispiel mag unsinnig klingen. Doch nach der prinzipiellen Logik der WBA ließe sich ein solcher Zusammenhang durchaus herleiten, wie nachfolgend grob skizziert: Der Unfall zwischen dem Panzer und dem Zug in der DDR war nur möglich, weil sich der sowjetische Panzer auf den Gleisen befand und der Zug die Strecke befuhr. Die Panzerbesatzung wollte die Strecke passieren, weil sie sich auf dem Weg in die in der Nähe gelegene Kaserne der sowjetischen Armee befand. Die sowjetische Armee befand sich auf dem Gebiet der DDR, weil sie zusammen mit den westlichen Alliierten Deutschland vom Faschismus befreit hat und Deutschland in entsprechende Besatzungszonen aufgeteilt worden ist. Der zweite Weltkrieg wiederum wurde bekanntermaßen mit dem Angriff auf Polen von Hitler-Deutschland ausgelöst. Folglich könnte man die Machtergreifung Hitlers ebenso als eine Ursache für jenen Unfall betrachten wie auch beispielsweise der Ost-West-Gegensatz in der Zeit des kalten Krieges.

Obwohl derartige Zusammenhänge historisch nachvollziehbar sind, sind sie bei der Analyse des Unfalls “Panzer gegen Zug” natürlich keine sinnvollen Grundursachen. Als politische Ereignisse liegen sie nicht nur außerhalb des betrachteten Systems, sie sind auch vom System nicht beeinflussbar. Unter dem Blickwinkel, dass man versucht mit den gewonnenen Erkenntnissen das System Bahn sicherer zu machen, wäre daher besser zu analysieren, warum die Panzerbesatzung die Strecke überquert hat, um Hinweise zu erhalten, wie beispielsweise im Falle von Manöverbewegungen die Kommunikation zwischen der Bahn und Militär verbessert werden kann. Ein so bestimmter kausaler Faktor wäre übrigens eine unmittelbar an der Systemgrenze liegende Grundursache.