Liebe als Sport
„An die Stelle der medizinischen Semantik tritt teils eine klinisch-therapeutische Bemühung um orgasmische Vollbefriedigung, die ihre eigenen Paradoxien erzeugt; teils, kaum bewusst, aber um so deutlicher zu erkennen, die Semantik des Sports. Körperaktivismus symbolisiert Jugend – im Sexualverhalten wie im Sport. Es geht um Leistung und um Leistungsverbesserung, aber nicht um Leistungen, die man schuldig ist, sondern um solche, die man freiwillig erbringt. Die Verbesserungsfähigkeit erfordert ihrerseits Mühe und Aufmerksamkeit und, wie bei allen Körperleistungen, Training. Der Vollzug ist angewiesen auf räumlich-zeitliche Ausdifferenzierung aus dem Alltagsgeschehen. Das Verhältnis der Partner muss „fair“ sein, muss auch ihm eine Chance geben. Und wie beim Sport ermöglicht auch hier der Rückzug auf ein sozial als sinnvoll definiertes Körperverhalten, den Sinnunsicherheiten in allen übrigen Lebensbereichen auszuweichen.“ (S. 204).