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In einer Teeschale ist immer Frieden

Tee ist ein wunderbares Getränk: ruhiger und kultivierter als Kaffee; vielfältig, nuanciert und feinsinnig. Dies betrifft seinen Geschmack, das Geschirr und auch seine Wirkung. Wer grünen, schwarzen, weißen oder Oolong-Tee trinkt, der nimmt sich heraus aus Beschleunigung und Postmoderne — in einer Teeschale ist immer Frieden, wie in Japan gesagt wird. Für die Mitglieder dieser stillen Gemeinde hat der Historiker Martin Krieger (Professor in Kiel) nun eine teefeine Kulturgeschichte des Tees verfasst. Der Autor greift historisch und thematisch weit aus. Die Anfänge der Teekultur in China (vor ca. 4000 Jahren), Grundinformationen über die Teepflanze, die Raffinessen des Anbaus, die Verbreitung zuerst in Asien und später in Europa und Amerika werden in ideal proportionierten Kapiteln erläutert. Sowohl die japanische Tee-Zeremonie und einige philosophische Klassiker zum Tee lernt der Leser kennen, als auch die gegenwärtigen gezuckerten Trashvarianten der Lebensmittelkonzerne — die 290 Seiten geben einen umfassenden Eindruck des Getränkes. Dabei liest sich einiges wie ein Krimi: einerseits die Handelskriege (die "Boston Tea Party"), andererseits der schwierige Weg der Verbreitung des extrem verwöhnten Tee-Strauches, der nicht zu heiße, nicht zu kalte, nicht zu hohe, nicht zu niedrige, nicht zu trockene und nicht zu feuchte Anbaugebiete benötigt. Der Weg vom Anbau über die anspruchsvollen Verarbeitungsschritte, des Handels, der gekonnten Zubereitung bis in die eigene Teeschale ist so erstaunlich, dass man nach der Lektüre des Buches über die Whisky- oder Wein-Enthusiasten nur noch müde lächeln kann! 

Martin Krieger: Tee. Eine Kulturgeschichte. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien: 2009. 

 

 

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