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Ökologische Kommunikation

Das überraschende Auftreten eines neuartigen Ökologiebewusstseins hat wenig Zeit gelassen für theoretische Überlegungen. Zunächst denkt man deshalb das neue Thema im Rahmen der alten Theorien. Wenn die Gesellschaft sich durch ihre Einwirkungen auf die Umwelt selbst gefährdet, dann sollte sie das eben lassen; man müsse die daran Schuldigen ausfindig machen und davon abhalten, notfalls bekämpfen und bestrafen. Das moralische Recht dazu sei auf Seite derer, die sich gegen die Selbstdestruktion der Gesellschaft einsetzen. Unversehens geht die Theoriediskussion in moralische Frageformen über, und das Theoriedefizit wird mit moralischem Eifer kompensiert. Die Absicht der Demonstration guter Absichten bestimmt die Formulierung der Probleme. So diskutiert man aufs Geratewohl über eine neue Umweltethik, ohne die Systemstrukturen zu analysieren, um die es geht. 

Niklas Luhmann: Ökologische Kommunikation. Kann sich die moderne Gesellschaft auf ökologische Gefährdungen einstellen? Wiesbaden: 1986 (!), zitiert nach der 4. Auflage, 2004, S. 18 f. 

 

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