Buddenbrooks als Dallmayr Prodomo
Die großbürgerliche Welt von Thomas Manns “Buddenbrooks” ist uns heute so fremd wie ein vor Jahrzehnten dahingeschiedener Anverwandter. Dagegen sind auch die hilflosen Reanimationsversuche der Leiche, wie sie seit einigen Jahren unter dem Stichwort “Neue Bürgerlichkeit” betrieben werden, machtlos: Den ganzen Lebensumständen und damit auch den Sorgen, dem Empfinden dieser Zeit sind wir heute weit entrückt.
Die Frage, ob es sich also bei den “Buddenbrooks” um einen verstaubten Schinken handelt, den man besser in Großmutters Regal lässt, ginge dennoch fehl: Denn immerhin bringt er uns dem Verständnis dieser verlorenen Welt näher. Sehr viel mehr aber auch nicht, auch wenn das zu behaupten nach der hundertjährigen Kanonisierung des Romans ein Sakrileg ist.
Durchaus hätte man aber dem Stoff mehr abgewinnen können als seine neueste Verfilmung, die heute in die Kinos kommt. Die “Buddenbrooks” hätten weitaus Besseres verdient, als vom Regisseur Heinrich Breloer auf das Schamloseste in weichgezeichneten Schnulzen-Szenen, die auch für Dallmayr Prodomo hätten werben können, verwurstet zu werden.
Zahlreiche Romangestalten fehlen gänzlich, die Verbliebenen verkommen im Film zu menschlichen Abziehbildern, im schlimmsten Fall zu lächerlichen Karrikaturen. Überhaupt stampft Breloer die feine Ironie Manns mit dem Presslufthammer platten Humors ein oder gibt sich gleich völlig humorlos. Ebenso werden die zentralen Dialoge des Romans oft auf Plattitüden eingedampft, einige blödsinnige Änderungen geben dem Romanstoff den Rest.
Der mit 16 Millionen Euro teuerste deutsche Film ist an aufwendigen Kostümen und Kulissen reich staffiert, geht aber an inhaltlicher Leere zugrunde. Ungewollt hat Breloer damit der “Neuen Bürgerlichkeit” ein passendes Denkmal gesetzt: Nach außen hin schillernd, nach innen hohl.
