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2. Halbzeit…

Die Hörisch-Affäre ist in die zweite Halbzeit gegangen. Nach Jochen Hörischs Antwort auf Burkhard Müllers Antwort auf die offene Mail Hörischs hat nun wiederum Burkhart Müller – eher versöhnlich – auf Hörisch geantwortet.

Eine amüsant zu lesende, pointierte Version dieser ganzen unschönen und kuriosen Angelegenheit bietet inzwischen auch das Gesellschaftsmagazin Dummy in seinem Blog – im Stil einer Fußballreportage.

Und die Moral von der Geschicht’? Nicht nur, dass wieder einmal (auch mit diesem Blogeintrag) eindrucksvoll bestätigt worden ist, wie selbstreferenziell das Internet ist. Das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Nein, Hörisch und Müller haben einem ernsthaften und berechtigten Anliegen, der lange überfälligen Eröffnung eines Forums für Kritikerkritik, mit ihrer Debatte mindestens so genutzt wie geschadet.

Der Ton, den die beiden Kontrahenten anschlagen, und der oft besserwisserische, ja fast kindische Streit um philologische, literaturwissenschaftliche und sonstige (In-)Kompetenzen weckt schlimmste Befürchtungen. Beides erinnert an die unsäglichen, persönlich diffamierenden Auseinandersetzungen, nein: Kindereien in Teilen der (gehobenen) Bloggerszene. Dort wird auf harsche Kritik erschreckend rasch und gedankenlos mit Beleidigungen reagiert und auf sachlich angemessene Vorwürfe mit Ignoranz. Ein flüchtiger Blick in beliebige Ausschnitte der Blogosphäre genügt, um sich von dieser Art der Diskussionsführung und Meinungsbildung abschrecken zu lassen.

Wenn also schon ein Forum für Kritikerkritik, dann bitte eins mit Türsteher, der die Debattanden davor schützt, das Internet als Medium zu missbrauchen, in dem beinahe alles gesagt werden darf. Sonst haben wir in der Sache keine Gegenöffentlichkeit, sondern nur die Fortsetzung des Feuilletonkriegs mit anderen, womöglich noch drastischeren Mitteln.

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